Frage an Martin Schulz: Sind Beamtenpensionen gerecht?

08.02.2017 17:49
Der Shooting-Star der SPD, Martin Schulz, hat als eines der vorrangigsten Themen für seinen Wahlkampf die soziale Gerechtigkeit genannt. Deswegen wollen wir die Frage an Herrn Schulz stellen, ob er die Beamtenpensionen im Vergleich zu den Renten als gerecht empfindet.

Das Thema Beamtenpensionen könnte ein Gewinnerthema im Wahlkampf sein, aber bisher hat man in den früheren Wahlkämpfen von allen Seiten einen großen Bogen um dieses Thema gemacht. Vielleicht ist das auch nicht verwunderlich, wenn man sich die Anzahl der Beamten im Bundestag und die Überversorgung der Minister und Abgeordneten anschaut. Es ist anzunehmen, dass das Thema Beamtenpensionen, Übergangsregelungen und Pensionen für Abgeordnete und Minister auch in diesem Wahlkampf keine Rolle spielen wird. Sich darum zu kümmern, wäre allerdings ein vorrangiger Punkt, wenn man sich die soziale Gerechtigkeit auf die Fahne schreibt.

Am 12. Februar 2017 wird Herr Steinmeier der neue Bundespräsident!

Am 12. Februar 2017 tritt die Bundesversammlung zusammen und wählt Frank Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten. Ob der zuvor zwischen SPD und CDU/CSU ausgekungelte Kandidat für dieses Amt geeignet ist, kann man sicher nicht bezweifeln, aber auf jeden Fall die Art und Weise der Auswahl, die in Wirklichkeit den Namen „Wahl“ nicht verdient hat. Eins ist sicher, Herr Steinmeier hat damit ein Monatseinkommen von ca. 18.900,00 Euro bzw. 227.000,00 Euro pro Jahr bis an sein Lebensende sicher. Der Bundespräsident erhält nach seiner Amtszeit einen sogenannten Ehrensold in Höhe seines letzten Gehalts. Dazu bekommt er ca. 6.500,00 Euro monatlich, die er für Bedienstete oder dienstliche Zwecke einsetzen kann. Dienstwagen, Büro und Angestellte kommen selbstverständlich hinzu. Das gilt für alle noch lebenden Bundespräsidenten! Nur die Nebenkosten für jeden noch lebenden Bundespräsidenten sollen ca. 170.000,00 Euro bis 360,000,00 Euro pro Jahr betragen.

Brauchen wir überhaupt einen Bundespräsidenten?

Diese Fragen stellen sich viele Bürger und es gibt sogar eine Petition Nr. 68579 vom 20. November 2016 mit dem Titel: „Abschaffung des Bundespräsidenten“. Im Antrag steht: Ich schlage vor, das Amt des Bundespräsidenten abzuschaffen. Grund: Das Amt ist ein alter Zopf und zu nichts nutze. Niemand würde merken, wenn es nicht mehr existiert. Das Amt ist eine enorme, sinnlose Geldverschwendung wegen der hohen Gehälter des Amtsträgers und seiner Bediensteten. Auch nach der Amtszeit kostet der Expräsident uns Steuerzahler enorme Summen und es wird sinnloserweise Büro, Dienstwagen und Sekretärinnen finanziert. Warum soll der Bundespräsident in einem Schloss wohnen? Die Monarchie haben wir glücklicherweise hinter uns. Die obsolete Funktion des Bundespräsidenten kann auch der Bundeskanzler bzw. die -kanzlerin mit übernehmen.“ Es ist so gut wie sicher, dass über diese Petition nicht ernsthaft im Bundestag gestritten wird, aber die Frage, ob wir überhaupt einen Bundespräsidenten brauchen, kann man durchaus stellen. Insbesondere ist diese Frage erlaubt, wenn man sich den Bundeshaushalt anschaut. Für das Bundespräsidialamt sind im Jahr 2016 34,32 Mio. Euro im Haushalt vorgesehen. Immerhin sind dort rund 180 Bedienstete beschäftigt und man sich sofort fragen, wozu ein Bundespräsident 180 Angestellte benötigt.

Bund der Steuerzahler will den Ehrensold der Alt-Bundespräsidenten kappen!

Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, hatte in der Online-Ausgabe der „Passauer Neuen Presse“ schon vor einiger Zeit eine Ehrensold-Reform angemahnt und gefordert, dass der Ehrensold für Alt-Bundespräsidenten um bis zu 50% reduziert werden sollte. Der Bund der Steuerzahler fordert, dass man zur Fassung des Gesetzes über die Ruhebezüge vom 17.06.1953 zurückkommen sollte. Seinerzeit waren für drei Monate nach dem Ausscheiden die vollen Bezüge zu zahlen und im Jahr danach wurden sie auf dreiviertel abgesenkt. Von diesem Zeitpunkt an wurde bis zum Lebensende noch die Hälfte vom Ehrensold gezahlt. Dazu ist zu bemerken, dass dieses Gesetz 1959 verändert wurde. Es wurde vermutet, den „in die Jahre gekommenen“ Bundeskanzler Konrad Adenauer den Wechsel in das Bundespräsidialamt mit einer Verdoppelung der Bezüge von 50% auf 100% schmackhaft machen zu können. Adenauer entschied sich dagegen und war bis 1963 Bundeskanzler.  

Beamtenpensionen und Renten: Ungerechter geht’s wirklich nicht!

Wir wollen uns aber nicht nur mit dem Bundespräsident befassen. Nach Medienberichten beträgt die Durchschnittspension eines Beamten rund 3.000,00 Euro, während ein Rentner bei gut 1.300,00 Euro liegt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Höchstpension eines Beamten bereits nach 40 Dienstjahren erreicht ist und ein Rentner dafür 45 Jahre arbeiten muss. Focus Money hatte im vorigen Jahr einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, in dem einzelne Beispiel benannt wurden, die jedes Gerechtigkeitsgefühl vermissen lassen. Dabei geht es nicht darum eine Neiddebatte anzuzetteln, sondern lediglich darum die nicht vorhandene Gleichbehandlung bei Rentnern und Beamten deutlich zu machen.  Es soll dabei auch nicht beleuchtet werden, ob sich der einzelne Beamte die Pension wirklich verdient hat. Als Anregung kann aber mindestens aufgegriffen werden, dass das Beamtenrecht veraltet ist, nicht mehr in diese Zeit passt und die Absenkung des Rentenniveaus an Ungerechtigkeit nicht zu überbieten ist.

Die Durchschnittspension hat die doppelte Höhe einer Durchschnittsrente!

Aber nicht nur die Höhe der Beamtenpensionen im Vergleich zur Rente ist ungerecht, sondern auch die Berechnung an sich. Bei Beamten werden 40 Dienstjahre für die volle Pension vorausgesetzt und dabei zählen auch Wehrdienst- und Zivildienstzeiten mit, wie auch bis zu zweieinhalb Jahren Hochschulausbildung. Außerdem müssen Beamte keinen Cent für ihre Altersversorgung einzahlen. Sollte ein Beamter es nur auf fünf Dienstjahre bringen, steht ihm bereits eine Mindestpension von 1.660,00 Euro zu. Nach einem Bericht von Focus Money erhalten nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung nur etwa zwei Millionen Rentner mehr Rente, als die Mindestpension für Beamte. Nach Adam Riese bekommen demnach 94% der Rentner weniger, als ein Beamter bereits nach fünf Dienstjahren bekommt. In dem vorgenannten Artikel ist zu lesen, dass Rentnerinnen im Saarland eine staatliche Durchschnittsrente von 491,00 Euro bekommen. Die Mindestpension nach fünf Jahren Dienstzeit eines Beamten ist höher als die eines Eckrentners nach 45 Jahren harter Arbeit. Bei den Griechen hat die Bundesregierung immer wieder Reformen bei den zu hohen Pensionen eingefordert. Warum redet in Deutschland keiner darüber? Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hat schon vor Jahren davon gesprochen, dass es ohne eine Absenkung der üppigen Beamtenpensionen langfristig nicht gehen wird.

Wie hoch sind die Pensionen bestimmter Berufsgruppen?

Die Durchschnittspension bei Lehrern auf Länderebene beträgt nach Ermittlungen im vorigen Jahr brutto 2.970,00 Euro. Richter kommen auf 2,940,00 Euro, Beamte der Deutschen Bahn 2.150,00 Euro und Ärzte in staatlichen Kliniken 2.100,00 Euro. Je nach Qualifikation und „Dienstgrad“ liegen die Beamtenpensionen vielfach wesentlich höher. Das können sogar bei altgedienten und aufgestiegenen Postbeamten schnell 3.200,00 Euro werden, bei einem Chefarzt 3.500,00 bis 4.000,00 Euro und ein Professor der Besoldungsgruppe B1 bekommt 3.940,00 Euro. Wenn man sich einmal die Durchschnittswerte anschaut, wird einem Rentner schnell schwindlig. Beamte des Bundes liegen bei der Pension im Schnitt bei 2.750,00 Euro, in den Ländern sind es 2.940,00 Euro und in den Gemeinden 2.840,00 Euro. Ein Abgeordneter bringt es auf 3.011,00 Euro, Minister 5.673,00 Euro und wenn man Staatssekretär war sogar 8.208,00 Euro. Etwa dreiviertel der Beamten bekommen Pensionen, die über 2.000,00 Euro liegen. Grob geschätzt zahlen Rentner für ihre Altersversorgung rund 300.000,00 Euro während ihres Arbeitslebens in die Rentenkasse ein und Beamte keinen Cent! Einzelne Berufsgruppen haben dazu noch einen Sonderstatus, denn sie dürfen früher in Pension gehen. Das sind beispielsweise Jetpiloten, die mit 41 Jahren „pensionsreif“ sind, Berufsunteroffiziere mit 53 Jahren, Fluglotsen mit 55 und Majore mit 56 Jahren.

Wir brauchen keine Rentenreform, sondern eine Pensionsreform!

Nach den Rentenkürzungen der letzen Jahre in Verbindung mit einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahren, kann eine Rentenreform nur den Sinn haben die Renten wieder anzuheben. Alle reden über eine kommende Altersarmut und  kürzen gleichzeitig die Rentenansprüche. Wie verrückt ist das denn? Über eine Pensionsreform mit einer starken Absenkung der hohen Pensionen spricht keiner. Selbstverständlich möchte keiner dem Kleinpensionär seine Pension kürzen, die unter 2.000,00 Euro liegt, aber alles, was im Bereich über der Maximalrente liegt, sollte auf den Prüfstand. Die Beamtenpension wird nach dem letzten Gehalt berechnet und eine Beförderung kurz vor dem Pensionsalter ist aus diesem Grund wahrscheinlich keine Seltenheit. Die Rente wird nach sogenannten Entgeltpunkten berechnet. Die Entgeltpunkte ergeben sich, wenn man die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze durch das Durchschnittsentgelt teil; derzeit sind das 2,13. Theoretisch wäre es so, dass bei einer Einzahlung der maximalen Rentenbeiträge, was bedeutet, dass man 45 Jahre vom ersten Arbeitstag an immer ein Einkommen bei mindestens der Beitragsbemessungsgrenze hatte, eine rechnerische Höchstrente von monatlich 2.742,00 Euro erreicht werden könnte. Dieser Betrag ist aber nur fiktiv, denn ein Verdienst über der Beitragsbemessungsgrenze vom ersten Arbeitstag an wird es wohl nicht geben und  die aktuellen Werte für Entgeltpunkte und Rentenwert lassen sich nicht auf die Vergangenheit übertragen. Die einzusetzenden Faktoren waren meist wesentlich geringer. In der Realität werden die sehr wenigen aktuellen Höchstrenten vielleicht im Bereich von 2.300,00 bis 2.400,00 Euro bewegen. Der sogenannte Eckrentner, der 45 Jahre ein Durchschnittsentgelt eingezahlt hat, lag im Westen im Jahr 2014 bei 1.154,00 Euro und bundesweit bei 1.003,00 Euro Rente. Das sind Beträge vor Steuern, bei denen die Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgesetzt wurde.

Der Beamtenbund versucht immer die Pensionen klein zu rechnen!

Natürlich haben Beamte andere Abzüge von der Bruttopension als Rentner auf ihre Rente. Bis auf einen Steuerfreibetrag müssen Pensionen versteuert werden. Bei Renten sind wir allerdings seit einigen Jahren auf diesem Weg und der zu versteuernde Betrag steigt noch weiter. Beamte genießen in ihrem Leben den Vorteil einer privaten Krankenversicherung und etwa 98% der Pensionäre müssen sich daher privat versichern. Wer die „Behandlung erster Klasse“ zunächst genießen will, muss eben dafür zahlen, denkt man. Das ist aber nicht so, denn viele Beamte haben einen Versicherungstarif, der sehr günstig ist und sogar unter der gesetzlichen Krankenversicherung liegt. Der Beamte bekommt auch im Ruhestand Beihilfen, was die monatliche Belastung für die Krankenversicherung in der Regel nicht über 200,00 Euro bis 300,00 Euro treibt. Da die Abzüge einer Pension individuell sehr unterschiedliche sind, kann man die Netto-Pension nur mit einem Beispiel aufzeigen. Wenn beispielsweise ein Richter mit 26 Jahren in den Dienst kam, verheiratet ist und zwei Kindern hat und seit 1976 in einer Vollzeitestelle gearbeitet hat, würde er mit 65 Jahren eine Brutto-Pension von etwa 3.470,00 Euro bekommen. Wenn man eine durchschnittliche Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Kirchensteuer und die Einkommensteuer abzieht, bleibt eine Netto-Pension von rund 2.300,00 Euro übrig. Das wäre demnach etwa der Betrag, den ein Angestellter heute etwa als Brutto-Höchstrente bekommen würde oder anders herum, etwa doppelt so viel, wie ein Durchschnittsrentner. Dafür, dass der Beamte dafür in seinem ganzen Leben keinen Cent eingezahlt hat und er komplett vom Steuerzahler finanziert wird, ist eine Netto-Pension von 2.300,00 Euro sicher eine sehr gute Altersversorgung.

RuMaS Meinung: Viele Beamtenpensionen sind nicht gerecht und müssen reduziert werden!

Dabei geht es nicht um die vergleichsweise kleineren Pensionen für den einfachen Polizeidienst und auch nicht für die vielen Beamten, die in unteren Besoldungsgruppen in anderen Bereichen arbeiten bzw. gearbeitet haben, sondern um die hohen Pensionen, die netto vielfach das Doppelte eines Rentners betragen und oft auch weit darüber hinaus. Eine Pensionsreform ist auch dringend bei der Mindestpension notwendig, die es schon nach fünf Jahren Dienstzeit gibt. Mit welchem Recht steht Beamten eine solche Mindestpension zu? Bei einem Rentner wäre das Hartz IV und Ende der Diskussion. Wo ist da der Gleichbehandlungsgrundsatz? Noch schlimmer sieht es bei den Übergangsregelungen, Versorgungsbezügen von Abgeordneten, Staatssekretären und Ministern aus. Eine Angleichung der Lebensleistung von Rentnern und Beamten wäre eine vorrangige Aufgabe, wenn man für sich „soziale Gerechtigkeit“ als Hauptthema für den Wahlkampf proklamiert. Das Thema soziale Gerechtigkeit an den teils obszönen Vorstandsgehältern der börsennotierten Konzerne aufzuhängen und eine Altersversorgung von 3.000,00 Euro pro Tag (nicht pro Monat!) anzuprangern ist reiner Populismus! Wenn man wirklich an dem Thema sozialer Gerechtigkeit arbeiten will, muss man erst vor der eigenen Tür kehren und die überhöhten Beamtenpensionen einschmelzen. Wegen der Vorstandsbezüge sollte die SPD vielleicht mal mit den Gewerkschaften sprechen, die in den Aufsichtsräten der Konzerne die üppigen Gehälter fast immer ohne Gegenwehr durchwinken.

Fazit: Wer soziale Gerechtigkeit will, muss im eigenen Bereich damit anfangen. Der eigene Bereich der Politik ist nun einmal die Bezahlung im Öffentlichen Dienst, die Pensionen für Beamte, Übergangsregelungen und Versorgungsbezüge für Abgeordnete, Staatsekretäre und Minister, wie auch die Mindestdienstzeiten in diesen Bereichen, die einen Pensionsanspruch rechtfertigen. Auch wäre neu zu definieren, in welchen Bereichen wir überhaupt noch Beamte brauchen. Außer Polizei, Justiz und Zoll dürfte das nur sehr wenige Berufsgruppen betreffen, in denen man Beamte braucht. Lehrer gehören auf jeden Fall nicht dazu. Die Rücklagen im Bundeshaushalt für die Beamtenpensionen werden von Jahr zu Jahr höher und werden uns irgendwann einmal über den Kopf wachsen. Wer eine Bürgerversicherung will, muss auch wollen, dass alle Bürger einzahlen – auch in die Renten- bzw. Pensionskasse!

RuMaS-Redaktion

 
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